Krup, Agnes – Leo und Dora

Informationen zum Buch:
erschienen am 14.03.2022
Verlag Aufbau Taschenbuch
285 Seiten
ISBN 978-3-351-03899-1

Klappentext / Zusammenfassung:
Ein Gästehaus an der amerikanischen Ostküste, alte Gespenser, eine unverhoffte Liebe: die Geschichte eines Sommers, der alles verändert.

Dann eben Amerika. Auch nach zehn Jahren als Exilant hat Leopold Perlstein, einst berühmter Schriftsteller in Wien, in der neuen Heimat Palästina noch nicht Fuß gefasst: Sein Auskommen als Versicherungsangestellter ist bescheiden, seine Schreibhemmung dagegen riesengroß. Ein langer Sommer ni Sharon, Connecticut im Landhaus seiner Agentin Alma soll die Wende bringen.

Doch als Leo aus dem Zug steigt, steht dort nur ein Junge, der ihm erklärt, dass das Haus in der vergangen Nacht abgebrannt ist. Mr. Perlstein wird vorläufig mit dem Roxy, dem Gästehaus gegenüber, vorliebnehmen müssen. Das Haus ist eine Katastrophe. Und Dora, die Wirtin, erst!

Doch dieser Ort – und Dora – werden Leos Leben für immer verändern.

Meine Meinung:
Auch über dieses Buch bin ich bei vorablesen.de gestolpert. Nach dem Lesen der Leseprobe notierte ich folgenden Eindruck:

Leopold Perlstein war von einem befreundeten Ehepaar nach Amerika eingeladen worden, um ein neues Buch schreiben zu können – was ihm bereits 20 Jahre nicht gelungen war. Doch von Anfang an geht alles schief: Das Schiff, mit dem er von Europa nach Amerika fuhr, hatte Verspätung, wodurch er das befreundete Ehepaar verpaßte, das auf dem Weg nach Argentinien war. Als er den Ort des Landhauses, in dem er Urlaub machen sollte, erreicht, erreicht ihn auch die Nachricht, dass das Haus am Tag zuvor abgebrannt ist. Und nun? Nun findet er sich in einem ländlichen Hotel wieder, umgeben von lauter fremden Menschen in einer fremden Umgebung mit fremden Geflogenheiten. Und mit Dora, der Wirtin des Hotels. Und wie geht es nun weiter?

Inzwischen liegt das Buch auf meinem Schreibtisch und ich werde schon bald erfahren, wie es weitergeht.

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Nachdem ich es gelesen habe:
„Der Mensch denkt, Gott lenkt“, heißt es doch so schön. Und genau das passiert hier: Die Menschen planten, dass Leopold Perlstein in dem Landhaus seiner Agentin in der amerikanischen Einöde die Ruhe findet, um ein lange geplantes Buch zu schreiben. Doch alles ging schief: Das Haus war in der Nacht vor seiner Ankunft bis auf die Grundmauern niedergebrannt und anstatt in einem geräumigen Haus mit Bibliothek und Chauffeur zu arbeiten verschlägt es ihn in das dörfliche Gasthaus „Roxy“ zu der patenten Wirtin Dora. Die Unterkunft ist einfach, aber behaglich. Die anderen Gäste sind zur Sommerfrische da. Das Essen ist gewöhnungsbedürftig. Leopold ist verbittert: Er hat eine hartnäckige Schreibblockade, hält sich mit einem Versicherungsjob über Wasser, ist geschieden und seiner Tochter entfremdet. Alles in allem fühlt er sich als Verlierer und hat sich im Laufe der Jahre eingeigelt. Doch Dora und Anton, ihr Stiefsohn, schaffen es durch ihre herzliche Art, dass Leo sich nach und nach öffnet und wieder zu leben beginnt. Natürlich gibt es das eine oder andere Geheimnis aufzudecken, insbesondere in Doras Leben. Und natürlich scheint es einmal sehr dramatisch zu werden, als ein nahegelegener Staudamm bricht. Und dann ist da noch der Geist vom „Roxy“.

Mein Fazit:
Das Buch ist eine Liebesgeschichte, die ohne übertriebenen Pathos auskommt und wo man keine Schüssel unter das Buch halten muss, um das raustropfende Schmalz aufzufangen. Es ist eine nette Geschichte, die mich des öfteren schmunzeln ließ. Sie eignet sich wunderbar, um einfach mal in eine heile Welt zu fliehen, begleitet mit einer Prise Humor, einer Tasse Kaffee oder Tee und eingekuschelt in eine Wolldecke. Ein Buch für einen Regentag.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.


Benedict, Marie – Mrs. Agatha Christie

Informationen zum Buch:
erschienen am 10.03.2022
Verlag Kiepenheuer & Witsch
314 Seiten
ISBN 978-3-462-00295-9

Klappentext / Zusammenfassung:
Im Dezember 1926 wird Agatha Christie vermisst. Ermittler finden ihr leeres Auto am Rande eines tiefen, düsteren Teich, in dem Wagen ihr Pelzmantel – ungewöhnlich für eine eisige Nacht. Ihr Ehemann weiß nicht, wo sie sich aufhält, und England löst eine beispiellose Fahndung nach der weltberühmten Kriminalautorin aus. Elf Tage später taucht sie wieder auf, genauso mysteriös, wie sie verschwunden war. Bis heute weiß niemand, was damals geschah.

Meine Meinung:
Ich bin bei vorablesen.de über dieses Buch „gestolpert“, habe mir die Leseprobe runtergeladen und im Anschluss an die Lektüre folgenden ersten Eindruck verfasst:

Es ist allgemein bekannt, dass Agatha Christie mehrere Tage spurlos verschwunden war. Auch haben sich bereits andere Schriftsteller mit diesem Thema befasst, u.a. ein Drehbuchschreiber der Serie „Doctor Who“. Marie Benedict hat ebenfalls ihre Fantasie spielen lassen und eine Geschichte rund um die bekannten Fakten geschrieben und dabei mit den Zeiten gespielt: Im Wechsel wird aus Sicht von Agatha von dem Werben ihres späteren Mannes um sie als junge Frau erzählt und aus Sicht ihres Mannes die späteren Entwicklungen dargelegt. Mrs. Benedict bedient sich dabei der durchgehend der Sprache der damaligen Zeit, was die Leseprobe rundum zu einem Lesevergnügen macht. Klare Leseempfehlung meinerseits.

Nun hatte ich das Glück, dieses Buch zu gewinnen.

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Nachdem ich es gelesen habe:

1926 war die spätere Grande Dame des Kriminalromans elf Tage lang spurlos verschwunden. Was ist damals geschehen? Wo war sie? Die einzige Person, die diese Fragen hätte beantworten können, war Agatha Christie selbst – doch sie schwieg bis zu ihrem Tod 1976.

Nun versucht sich Marie Benedict an einem Lösungsansatz – und das in, wie ich finde, brillianter Art und Weise. Im Stile Agatha Christies schreibt sie über Agatha Christies Verschwinden einen Krimi mit Agatha Christie in der Hauptrolle. Beim Lesen treffen wir auf zwei Erzählstränge:

Zum einen begleiten wir Agatha Miller, wie sie ihren späteren ersten Mann kennenlernt, wie sie heiraten und wie ihre Ehe verläuft. Wir erfahren, welchen Einfluss ihre geliebte Mutter auf ihre Ehe hat und wie sich Agatha im Laufe der Jahre verändert. Diese Kapitel sind in Ich-Form geschrieben.

Zum anderen begleiten wir ihren Mann Archie durch diese zermürbenden elf Tage, in denen er unter Mordverdacht stand und einiges auszuhalten hatte: einen leitenden Polizisten, der ihm nicht glaubte, eine Journalistenmeute, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgte, seine Sorgen um ihre Tochter Rosalind.

Beide Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln, treffen schließlich und endlich im Hotel in Harrogate aufeinander, wo Agatha Christie aufgefunden wurde. Hier erfährt der Leser auch endlich die Auflösung dieses wirklich verzwickten Kriminalfalles. Doch mehr verrate ich nicht.

Doch, eines noch: Dieses Buch ist das erste seit vielen Jahren, dass ich an einem Tag durchgelesen habe. Ich mochte es abends nicht aus der Hand legen, bis ich die letzte Seite gelesen hatte. Marie Benedict hat wirklich so fesselnd geschrieben wie Agatha Christie es getan hat.

Ich kann dieses Buch jedem, der Krimis, Agatha Christie oder Schicksalsromane mag, wirklich wärmstens ans Herz legen.

Eure

Hopkins, Rob – Stell Dir vor …

Informationen zum Buch:
2021 erschienen
Löwenzahn Verlag
243 Seiten
ISBN 978-3-7066-2698-9

Klappentext / Zusammenfassung:
Wir leben in einer Zeit, die es uns nicht gerade einfach macht, der ukunft voller Hoffnung entgegenzublicken. Ganz im Gegenteil. Aber warum scheint es so schwierig, Lösungen für unsere Probleme zu finden? Rob Hopkins gibt uns die Antwort. Weil wir verlernt haben, unsere wichtigste Fähigkeit einzusetzen: unsere Vorstellungskraft. Die einfache Frage zu stellen: Was wäre, wenn? Um eine neue Welt zu kreieren, müssen wir sie uns zuerst vorstellen können. Wir brauchen unsere Fantasie. Der Autor zeigt uns, dass es Hoffnung gibt: dass sie da sind, die Lösungen, die genialen Ideen, die innovativen Einfälle. Völlig gebannt begleiten wir ihn und lernen Menschen kennen, die scheinbar unmögliche Gedankenexperimente in die Realität umgesetzt haben. Und sehen: Wenn wir unsere kollektive Imagination beleben, nähren und trainieren, gibt es nichts, was wir nicht schaffen können.

Meine Meinung:

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich habe mich anfangs schwer getan mit diesem Buch, obwohl ich es unbedingt haben wollte. Doch nachdem ich endlich drin war, habe ich es auch nahezu in einem Rutsch durchgelesen – und das, obwohl ich normalerweise keine (oder kaum) Sachbücher lese. Mich hat das Thema fasziniert: „Stell Dir eine positive Zukunft vor und dann versuche, sie mit Hilfe Deiner Fantasie zu verwirklichen“. Oder wie es der Autor im Buch selber schreibt: „Dieses Buch ist der Versuch eines Plädoyers für die Neupriorisierung der Vorstellungskraft, für die dringende Notwendigkeit, die Prioritäten zu verlagern, so dass auf allen Ebenen und in allen Bereichen Fantasie, Spiel und Staunen wieder willkommen geheißen, ermutigt und freigelassen werden.“

Rob Hopkins beschreibt anhand unendlich vieler Beispiele, wie wir unsere Fantasie positiv einsetzen und dadurch große Veränderungen bewirken können. Wie kann man seine Fantasie wieder „ankurbeln“? Wie kann man seinen Blickwinkel verändern? Was für Projekte gibt es bereits? Was kann möglich sein? Ein spannendes Thema, interessant beschrieben, mitreißend erzählt. Das einzige, was mich ein wenig stört, ist die (notwendige) gefühlte Unendlichkeit der Namen und Organisationen, die im Buch genannt sind, sowie bummelige 600 Fußnoten im Anhang. Trotzdem: klare Leseempfehlung für alle, die sich fragen, was noch möglich sein kann.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und fantasieren.

Eure


Harmel, Kirstin: Das Buch der verschollenen Namen

Informationen zum Buch:
erschienen am 01.10.2021
Droemer Knaur Verlag
380 Seiten
ISBN 978-3-426-22713-8

Klappentext / Zusammenfassung:
Liebe und Mut im Angesicht des Bösen

Nur knapp entkommt die Studentin Eva Abrams 1942 aus Paris, nachdem ihr Vater verhaftet wurde. Eva findet Zuflucht ini dem kleinen Bergdorf Aurignon in der unbesetzten Zone, wo sie auch den jungen Widerstandskämpfer Rémy kennenlernt.

Bald beginnt Eva, im Auftrag der Résistance Ausweispapiere für jüdische Kinder zu fälschen – doch sie möchte deren wahre Identität für eine Zeit nach dem Krieg bewahren. Zusammen mit Rémy fertigt sie verschlüsselte Aufzeichnungen an: das Buch der verschollenen Namen. Als jedoch ihre Widerstandszelle verraten wird und Rémy plötzlich verschwindet, bedeutet das Buch für sie beide tödliche Gefahr …

Meine Meinung:
Dieses Buch ist das erste seit sehr langer Zeit, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe.

Die Story ist schnell zusammengefasst: Junge Jüdin sieht, wie ihr Vater verhaftet wird und kann mit etwas Hilfe eines gutmeinenden Mannes und ihres künstlerischen Geschicks sich selbst und ihre Mutter in vorläufige Sicherheit in den unbesetzten Teil Frankreichs bringen. Dort hilft sie dabei, falsche Papiere für Flüchtlinge, insbesondere für elternlose jüdische Kinder, herzustellen, damit diese in die Sicherheit der neutralen Schweiz fliehen können. Sie selbst gerät dabei in die emotionale Zwickmühle zwischen ihren katholischen Kollegen und ihren jüdischen Jugendfreund, der wieder auftaucht, während ihre durch den Verlust des Vaters gebrochene Mutter ihr ständig Vorwürfe macht und ihr die Schuld für alles gibt.


Um es kurz zu machen: Ja, es ist eine Liebesgeschichte, die in den Wirren des 2. Weltkrieges spielt. Ja, es ist die Geschichte tapferer Menschen, die sich trotz der Gefahr für Leib und Leben den Nazis widersetzt und Menschen in Not geholfen haben. Ja, die Story ist vielleicht ein klein wenig seicht und pathetisch. ABER ich konnte mich sehr schnell in Eva hineinversetzen und im wahrsten Sinne des Wortes mit ihr fühlen. Als ich das Buch zugeschlagen habe, habe ich mich für Eva gefreut und musste sogar eine kleine Träne wegdrücken.

Ich wünsche Dir viel Vergnügen mit diesem wirklich schönen Buch.

Deine

Leseliste 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit 2019 schreibe ich auf, was ich im Laufe des Jahres so lese. Ich empfinde es als spannend, zu beobachten, wieviel es ist. Bereits letztes Jahr habe ich meine Liste hier auf diesem Blog geführt und dies möchte ich dieses Jahr wieder tun. Also, hier sind sie, die von mir gelesenen Bücher des Jahres 2021:

AutorTitelbeendetSeiten
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 211.02.514
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 327.05.538
Seeberger, A.Nächstes Jahr in Berlin22.02.250
Casagrande, R.Als wir uns die Welt versprachen25.05.469
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 4Juni 638
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 504.09.720
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 613.09.780
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 724.09.506
Harmel, K.Das Buch der verschollenen Namen25.09.380
Bücher ohne „beendet“-Eintrag werden aktuell oder demnächst gelesen.

Damit habe ich aktuell 9 Bücher mit insgesamt 4.795 Seiten gelesen.

In den letzten Jahren sah mein Jahressaldo so aus:

JahrAnzahl BücherAnzahl Seiten
2019248.556
2020269.993

Ich bin gespannt, was für ein Lesejahr 2021 wird.

Lieben Gruß,

Casagrande, Romina: Als wir uns die Welt versprachen

Informationen zum Buch:
erschienen am 10.03.2021
Verlag Fischer Krüger
480 Seiten
ISBN 978-3-8105-0009-0

Klappentext / Zusammenfassung:
Eine liebenswerte alte Dame überquert mit ihrem Papagei die Alpen, um ihren Freund aus der Kindheit zu finden. Ergreifend erzählt Romina Casagrande vom Schicksal der „Schwabenkinder“. Und voller Humor von einer ganz besonderen Reise mit wunderbaren Begegnungen. Denn es ist nie zu spät, um aufzubrechen in die Welt und zu uns selbst.

Meine Meinung:
Eine alte Frau macht sich mit ihrem ebenso alten Papagei zu Fuß auf den Weg über die Alpen, um ein altes Versprechen einzulösen. Klingt interessant, ist es auch. Das ungleiche Pärchen trifft auf seinem Weg viele verschiedene Typen, die ebenfalls alle ihren eigenen Weg gehen und eines gemeinsam haben: Sie haben das Herz am rechten Fleck. So bekommt das Paar immer wieder Hilfe, wenn es es am wenigstens erwartet und immer wieder anders als gedacht: Sei es der Biker, der in seinem Wohnwagen ein frisch bezogenes Bett für sie hat, oder der Südamerikaner, der den alten Transportkasten kurzerhand auf ein Skateboard schraubt, damit die Reise weitergehen kann.

Mein Fazit: Das Buch ist nett geschrieben und leicht zu lesen. Ich hätte mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Die Handlung plätschert vor sich hin und ist im Endeffekt eine Aufzählung von Begegnungen, die in eine Rahmenhandlung gepresst wurden. Auch das Ende empfinde als etwas „zu viel“: rosarot, alles wird gut und die alte Dame wird zur Retterin der Pläne des Mannes, der sie am Anfang der Geschichte noch in ein Altersheim stecken wollte. Naja …

Seeberger, Astrid – Nächstes Jahr in Berlin

Informationen zum Buch:
erschienen am 10.02.2021
Verlag Urachhaus
250 Seiten
ISBN 978-3-8251-5261-1

Klappentext / Zusammenfassung:
Dies ist eine Geschichte, die erzählt werden muss: die Geschichte, die eine Tochter ihrer verstorbenen Mutter schuldet. Sie erzählt das Schicksal einer deutschen Familie aus Ostpreußen, geprägt von Verlust, Hoffnung und der Suche nach einem neuen Leben in den politischen Wirren des 20. Jahrhunderts.

Aus Astrid Seebergers Feder fließt diese Geschichte bildgewaltig, klug und poetisch dicht. Sie beschwört Orte der Sehnsuch, Zufluchtsorte mit ihrer einmaligen Zauberkraft herauf und skizziert ihre Charaktere mit genauem Blick.

Nächstes Jahr in Berlin ist der erste Teil ihrer groß angelegten, autobiografisch inspirierten Familiengeschite, die mit Goodbye, Bukarest bereits viele Leser begeistern konnte.

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch ist keines, das ich mal eben so nebenbei lesen kann. Es ist ein Buch, das mich gefangen genommen hat. Die Protagonistin erzählt rückblickend von ihrer eigenen Kindheit, die von der Geschichte ihrer Mutter stark beeinflusst war. Ihre Mutter wuchs in Ostpreußen auf, verlor auf der Flucht in den Westen während des 2. Weltkriegs ihre Familie aus den Augen und schlug sich alleine durch – ohne Papiere, ohne Ausbildung, durch den Krieg und die Flucht traumatisiert.

Das Buch beginnt mit dem Tod der Mutter. Dieses einschneidende Erlebnis im Leben jedes Kindes, egal wie alt es ist, veranlasst die Protagonistin, sich mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen, ihre Entscheidungen zu hinterfragen und vor dem, was die Mutter im Laufe ihres Lebens erzählt, angedeutet oder auch verschwiegen hat, neu einzuordnen. Im Grunde lernt sie ihre Mutter jetzt erst kennen und verstehen.

Das ganze Buch ist in einer sehr ruhigen, unaufgeregten Sprache verfasst. Es transportiert die Gefühlssituation der Protagonistin sehr gut: Mutter verstorben, Trauer, lang verschüttete Erinnerungen kommen wieder ins Bewußtsein. Es kommt ohne Action und Spannung aus. Tatsächlich wäre das eher störend. Es ist ein melancholisches Buch, mit verhältnismäßig wenig direkter Rede. Ich würde es eher mit einem Tagebuch vergleichen denn mit einem Roman oder Tatsachenbericht.

Meine Empfehlung
Wer sich für den zweiten Weltkrieg interessiert und ein persönliches Schicksal lesen möchte, was diese Zeit aus einem Menschen machen kann und wie sie auch nachfolgende Generationen indirekt beeinflusst, der sollte dieses Buch lesen – möglichst ohne Unterbrechung.

Lieben Gruß,

Meine Bibliothek – eine App für Bücher

Anmerkung vorab:
Warum schreibe ich über diese App? Weil ich davon überzeugt bin. Ich bekomme kein Geld oder sonstige Vergünstigungen dafür. Meiner Meinung nach ist sie für Bücherwürmer mit einer umfangreichen Büchersammlung schlicht und ergreifend empfehlenswert.

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst Du das? Du gehst Bücher kaufen, freust Dich, mit Deinen neuen Schätzen nach Hause zu kommen – und stellst beim Einräumen fest, dass Du das eine oder andere Buch schon hast? Du hast den Überblick über Deine Büchersammlung verloren.

Mir geht es genauso.

Da mir das vor einiger Zeit gehörig auf den Senkel ging, habe ich zunächst angefangen, mir eine Datenbank zu erstellen, in der ich meine Bücher organisieren kann. Klappte aber nicht, weil es mir zu aufwändig war. Außerdem, wie bekomme ich die Daten in den Buchladen? Keine Idee …

Nächster Versuch: Ich schnappte mir meinen ständigen Begleiter, mein Smartphone, und suchte im Play Store nach einer App. Ich fand mehrere und entschied mich für „Meine Bibliothek“ von Julien Keith. Wie sich schnell herausstellte, war es eine sehr gute Entscheidung!

Beim Öffnen der App erscheint bei mir als erstes die Liste der bereits eingegebenen Bücher. Zum Glück gibt es eine Suchfunktion, wäre ich aufgeschmissen. Das sieht dann so aus:

Wenn ich mir die Informationen zu einem Buch ansehen möchte, kann das so aussehen:

Zum Zufügen neuer Bücher klicke ich auf das blaue Plus unten rechts in der Ecke. Dann erscheint folgende Maske:

Wenn man auf das Feld rechts klickt, wird die Kamera aktiviert und man den Barcode des Buches einscannen (das geht echt schnell!). Alternativ kann man hier die ISBN-Nummer eingeben oder, wenn es keine gibt, über die Schlagwortsuche nach dem Autor und/oder dem Titel suchen. Bei der Schlagwortsuche erscheint als nächstes eine Liste aller Bücher, die die App als eventuell zutreffend einstuft. Ich schätze, Du wirst schnell feststellen, dass viele Bücher mehrfach erfasst wurden. Suche das richtige aus und füge es Deiner Bibliothek hinzu. Wenn die ISBN-Nummer bzw. der Barcode gefunden wurde, wird das Buch übrigens gleich hinzugefügt, ohne Ergebnisliste dazwischen.

Grade bei älteren Büchern musst Du damit rechnen, dass Dein Buch noch nicht erfasst wurde. Doch auch das ist kein Problem: Klicke „manuell hinzufügen“ an und leg los:

Nachfolgend siehst Du die Eingabemasken für ein neues Buch:

Wenn Du jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlägst ob der Menge an Informationen, die man eingeben kann, dann sei bitte beruhigt: Man KANN soviel erfassen. Die einzigen Pflichtfelder sind „Titel“ und „Autor“ – mehr nicht.

Hier sieht man übrigens mal das Hauptmenü der App:

Vielleicht denkst Du grade: „Toll! Aber meine Comics hätte ich gern seperat eingepflegt“, so ist auch das kein Problem: Es gibt eigene Abschnitte für Comics und Videospiele. Ich habe sie bei mir nur deaktiviert, weil ich sie nicht nutze. Wir haben kaum Videospiele und unsere Comicsammlung wird von meinem Göga gepflegt.

Alles andere probier am besten selber aus.

Weitere Pluspunkte dieser App sind in meinen Augen:
– sie ist werbefrei
– sie ist kostenlos
– sie ist einfach zu bedienen

Minuspunkte sind:
– es gibt keinen Abschnitt für Magazine

In diesem Sinne: Bleibt gesund!

Eure

Leseliste 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

im letzten Jahr habe ich mir notiert, welche Bücher ich gelesen habe. Am Jahresende war ich erstaunt, wieviele da so zusammenkamen. Und deshalb habe ich es für dieses Jahr auch wieder angefangen.

Hier der aktuelle Stand für 2020

AutorTitelbeendetSeiten
Hesse, M.Das Mädchen im blauen Mantel02.01.377
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 208.01.472
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 309.01.469
Habersack, C.Bitte nicht öffnen – bissig!Jan.230
GeoEpocheBayernFeb.161
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 4Feb.453
Bertman, J.C.Mr. Griswolds Bücherjagd, Bd. 118.03.346
Koch, B.Der Drachenflüsterer19.03.339
Neff, H.H.Schule der Magier – Das geheime Portal22.03.461
Mommsen, J.Die BücherinselApril272
Gablé, R.Hiobs BrüderApril899
Dromfield, J.Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgteApril448
Joyce, J.Ulysses18.05.1015
Gläser, M.Die Buchspringer01.06.380
Oswald, S.Der kleine Strickladen in den Highlands04.06.332
Koch, K.Rote Grütze mit Schuss09.06.270
Ohlandt, N.Dünengeister13.06.539
Winter, C.Die Wolkenfischerin17.06.378
Lebert, B.Crazy19.06.175
Lem, S.Imaginäre Größe (abgebrochen)101
Doyle, C.Sturmwächter 2August376
Lem, S.SterntagebücherOktober479
Hartlieb, P.Meine wundervolle Buchhandlung19.10.208
Erhard, F.Verliebte Bücher und andere Schlamassel01.11.294
Kästner, E.Über das Verbrennen von BüchernNovember46
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von WinterfellDezember545
Bücher ohne „beendet“-Eintrag werden aktuell oder demnächst gelesen.


Das sind in 2020 insgesamt 26 Bücher mit insgesamt 9.993 Seiten. Nicht mitgezählt habe ich, was ich bislang in Band 2 von „Das Lied von Eis und Feuer“ gelesen habe. Dieses Buch wird zu 100% zu 2021 gezählt.
Zum Vergleich: 2019 habe ich 24 Bücher mit insgesamt 8.556 Seiten gelesen. Mal sehen, wieviel es 2021 wird.

Lieben Gruß,

Lem, Stanislaw – Imaginäre Größe

Informationen zum Buch:
1982 erschienen
Suhrkamp Verlag
204 Seiten
ISBN 3-518-37158-4

Klappentext / Zusammenfassung:
Es sind hintergründige Spielereien mit der Sprache und mit der Universalität des Denkens, oft am Rande der Groteske und Farce. (Gudrun Ziegler, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hatte gedacht, nach „Ulysses“ von James Joyce kann mich lesetechnisch nichts mehr schrecken.

Ich wurde eines besseren belehrt.

Eigentlich bin ich nicht der Typ Leser, der ein begonnenes Buch weglegt. Sowas kommt bei mir extrem selten vor. Mein erster Versuch mit oben genannten „Ulysses“ war so ein Fall, damals war ich wohl noch zu jung dafür. Dieses Buch war auch so ein Fall. Doch welche Entschuldigung habe ich diesmal?

Nun, „Imaginäre Größe“ hat das Anliegen, der Kunst des Vorwortschreibens eine Bühne zu geben. Nach Ansicht des Autors werden Vorworte viel zu wenig beachtet und manch ein Leser überblättert diese wohl auch gern, um gleich zum eigentlichen Buch überzugehen. Er meint, Vorworte werden eher stiefmütterlich behandelt, was sie aber absolut nicht verdient hätten. Und deshalb hat er ein Buch geschrieben, das ausschließlich aus Vorworten besteht – Vorworte zu nicht-existenten Büchern.

Von der Sache her finde ich die Idee sehr amüsant und war nach der Einführung gespannt auf das Buch. Doch die Ernüchterung kam schnell: Die Vorworte beschäftigen sich nicht nur mit nicht-existenten Büchern, sondern auch mit imaginären wissenschaftlichen Themen und beinhalten dementsprechend viele, pseudo-wissenschaftliche Ausdrücke, was mir das Verstehen oder auch nur das flüssige, halbwegs sinnentnehmende Lesen der Texte ungemein erschwerte – und mir die Freude am Lesen nahm. Für mich war es Quälerei, ganz eindeutig.

Das Buch bleibt in meinem Regal stehen. Und irgendwann, vielleicht wenn ich Rentner bin und ganz viel Zeit und Ruhe habe, werde ich es wieder zur Hand nehmen und lesen. Und vielleicht ändert sich meine Meinung dann ja.

Lieben Gruß,

Eure