Informationen zum Buch: erschienen am 09. August 2010 Verlag Goldmann 473 Seiten ISBN 978-3-442-47235-2 übersetzt von Armin Gontermann
Klappentext / Zusammenfassung: Kolyma – das ist der Vorhof der Hölle. Am äußersten Rand von Sibirien gelegen, tausende Kilometer von Moskau entfernt, gibt es hier nur Steine, Schnee, Permafrost – und Lager. Die schlimmsten Gulags der Sowjetunion. In diese eisige Wüste lässt Leo Demidow sich einschmuggeln, denn seine Tochter wurde entführt, und ihr Leben steht auf dem Spiel. Doch als einer der Mithäftlinge ihn als ehemaligen KGB-Agenten enttarnt, sitzt Leo plötzlich in einer tödlichen Falle …
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
Leo Demidow, der Agent aus „Kind 44“, ermittelt wieder. Diesmal verschlägt es ihn in Hölle auf Erden: Ein Arbeitslager in Sibiren. Es gibt nur Kälte, Arbeit und Entbehrungen, Misstrauen, Angst und Wut.
Stalin ist gestorben, Chruschtschow ist an der Macht und distanziert sich deutlich von den Methoden seines Vorgängers. Die UdSSR befindet sich im Umbruch. Geheimagenten werden noch weniger gut gelitten als zuvor. Und dann kommt die Frau von Leos ersten Verhafteten frei und beginnt ihren Rachefeldzug: Sie entführt Leos Adoptivtochter, um ihn zu zwingen, ihren Mann aus dem Gulag Kolyma zu befreien. Und damit beginnt das Abenteuer, das an Spannung und Brutalität nichts zu wünschen übrig lässt.
Wieder hat T.R. Smith sehr gut recherchiert und bringt dem Leser die Atmosphäre der Zeit und insbesondere im Gulag sehr nahe. Wieder habe ich das Buch nur schwer aus der Hand legen können. Und wieder war das Buch viel zu schnell zu Ende und ich musste erstmal nach Luft schnappen. Hammer!
Informationen zum Buch: erschienen am 04. Januar 2010 Goldmann Verlag 509 Seiten ISBN 978-3-442-47207-9 übersetzt von Armin Gontermann
Klappentext / Zusammenfassung: Moskau 1953. Auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden, nackt, fürchterlich zugerichtet. Doch in der Sowjetunion der Stalinzeit gibt es offiziell keine Verbrechen. Und so wird der Mord zum Unfall erklärt. Der Geheimdienstoffizier Leo Demidow jedoch kann die Augen vor dem Offenkundigen nicht verschließen. Als der nächste Mord passiert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit sich und seine Familie in tödliche Gefahr …
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Buch wurde mir von meinem Lieblingsbuchhändler empfohlen. Und wenn er empfiehlt, dann kaufe ich. Denn inzwischen kennt er mich bzw. meinen Lesegeschmack wohl recht gut und auch in diesem Fall war seine Empfehlung ein Volltreffer.
Wir befinden uns in Moskau unter Stalins Herrschaft. Dies war eine Zeit, wo es in der UdSSR keine Verbrechen gab. Verbrechen sind immer kapitalistisch motiviert, so die aufdiktierte Meinung, und Kommunisten sind halt bessere Menschen. Damit das so bleibt, gibt es Leute wie Leo Demidow, die für den Geheimdienst arbeiten und jeden noch kleinen Verdacht mit erbarmungsloser Härte verfolgen und bestrafen. Letzteres bedeutet Folter und Tod.
Und dann wird der Sohn eines Kollegen tot aufgefunden. Alle, die die Leiche gesehen haben, sagen, es sei Mord. Doch da es keine Morde geben darf, werden sie mundtot gemacht. Genauer gesagt, Leo Demidow muss sich darum kümmern, dass die Gerüchte im Keim erstickt werden, was ihm auch gelingt.
Aufgrund einer Verhaftung in einem anderen Fall und des Neids eines Untergebenen, kommt Leo auf die Abschussliste des Geheimdienstes. Da er aber ein gutes Verhältnis zu seinem Vorgesetzten hat, wird er nicht in ein Gulag geschickt, sondern in einem Dorf der Miliz unterstellt. Und dort taucht eine Leiche auf, die genauso zugerichtet wurde wie der Junge in Moskau.
Leo beginnt zu ermitteln. Zunächst auf eigene Faust, doch irgendwann kann er den Leiter der Miliz überzeugen, ihn zu unterstützen. Heraus kommt, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits über 40 Morde gab, alle nach dem gleichen Schema. Der Junge in Moskau ist Nummer 44. Und Leo kommt in Fahrt.
Mein Fazit: Ein Thriller, der seinen Namen verdient. Die Handlung ist dicht. Die Lebensumstände sowohl in der UdSSR unter Stalin als auch in Leos Leben werden gut beschrieben und in die Handlung integriert. Schnell stellte sich bei mir ein Gefühl der Beklemmung ein. Wie mag es sein, wenn man auf Schritt und Tritt überwacht wird und man im Endeffekt noch nicht mal seiner eigenen Familie trauen kann? Wie mag es sein, wenn einem weisgemacht wird, im Kapitalismus mit seinen vollen Regalen ist alles schlecht, während man selbst stundenlang für einen Laib Brot ansteht? Und dann Leos Kampf gegen die Windmühlenflügel der Kommunistischen Staatsgewalt und der Aussage: Es gibt bei uns keine Verbrechen.
Dieses Buch benötigt unbedingt: – mehrere Stunden ungestörte Lesezeit – einen großen Vorrat Tee oder Kaffee – Nervennahrung – Wolldecke
Informationen zum Buch: erschienen am 12. Oktober 2020 Verlag Ullstein Hardcover 428 Seiten ISBN 978-3-550-20102-8
Klappentext / Zusammenfassung: Schwer was los in Qualityland, dem besten aller mögliches Länder!
Jeder Monat ist der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ein Billionär möchte Präsident werden, und dann ist da noch die Sache mit dem Dritten Weltkrieg. Peter Arbeitsloser darf derweil endlich als Maschinentherapeut arbeiten und versucht, die Beziehungsprobleme von Haushaltsgeräten zu lösen. Kiki Unbekannt schnüffelt in ihrer eigenen Vergangenheit herum und bekommt Stress mit einem ferngesteuerten Killer. Außerdem benehmen sich alle Drohnen in letzter Zeit ziemlich sonderbar …
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
eine Dystopie im Stile der alten Meister wie Aldous Huxley („Schöne neue Welt“) und George Orwell („1984“). Allerdings ist dies der Dystompie zweiter Teil und die Lektüre des ersten Teils ist zum Verstehen dieses Buch unbedingt erforderlich.
Also, es ist nicht schlecht. Den ersten Teil habe ich vor ein paar Jahren gehört und dachte, ich hätte die Story noch parat, doch dem war nicht ganz so. Doch glücklicherweise ist mein Gedächtnis trotz meines leicht fortgeschrittenen Alters noch gut genug, um mich beim Lesen von QL 2.0 an die wichtigsten Charaktere und Begebenheiten aus QL 1.0 zu erinnern.
Wie dem auch sei, QL 2.0 ist ein typischer Kling, wenn ich das mal so sagen darf: Es mischt sich Satire mit unglaublich vielen Anspielungen auf andere Werke der Literatur- und Filmgeschichte (ich konnte u.a. „Game of Thrones / Das Lied von Eis und Feuer“, „Herr der Ringe“, die Känguru-Bücher, „Sesamstraße“, „Zurück in die Zukunft“ u.a.) herauslesen. Manchmal gleitet die Story ins Absurde ab, wird aber, in Kling-Manier, immer wieder rumgerissen. Und leider wirkt das Ende etwas sehr konstruiert, so nach dem Motto: „Mir fällt nix mehr ein, aber irgendwie muss ich ja zum Schluss kommen.“ Ich schätze, das hätte man etwas besser lösen können.
Mein Fazit: Als Buch ist es okay. Als Hörbuch vielleicht noch besser, weil dann die Stimmen der Protagonisten noch viel zur Atmosphäre des Buches beitragen können. MUK-Fans sollten sich das Buch aber auf jeden Fall zu Gemüte führen. Alleine wegen Mickey …
Informationen zum Buch: erschienen am 01. Oktober 2013 Verlag dtv 316 Seiten ISBN 978-3-423-14828-3 übersetzt von Brigitte Große
Klappentext / Zusammenfassung: In diesem in Frankreich vielfach ausgezeichneten Roman nähert sich Sorj Chalandon einem besonders aufwühlenden Ereignis seiner eigenen Biographie. Frei entlang der Lebensgeschichte eines engen Freundes erzählt er von einem IRA-Kämpfer, der zum Spion des britischen Geheimdienstes wird. Und entfaltet vor unseren Augen mit großer Wucht und in einfacher Sprache eine Tragödie. „Rückkehr nach Killybegs“ ist eine unerbittliche und aufwühlende Parabel über Gewalt, Krieg und Verrat.
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Franzose, der über den nordirischen Bürgerkrieg schreibt? Das kann nix vernünftiges sein. Zumindest dachte ich das, als ich den Klappentext las. Denn ich muss gestehen: Ich kaufte das Buch wegen des Titels und dachte damals, das sei so eine seichte „Frau kommt in das Haus ihrer irischen Großmutter, um ihr Leben neu zu ordnen, verliebt sich in den Nachbarn und bleibt“-Geschichte. Tja, falsch gedacht, Smoky! Tatsächlich ist das Buch ganz anders: weder seicht noch schnulzig oder vorhersehbar. Ganz im Gegenteil: Ein fesselndes Buch über ein wichtiges Thema der irischen Geschichte.
Als alter Mann blickt Tyrone Meehan auf sein Leben zurück. Er ist in das Dorf seines Vaters, die Hütte seiner Kindheit zurückgekehrt und schreibt seine Erinnerungen auf – nicht als Erklärung oder Entschuldigung, sondern weil nur er weiß, warum er Jahrzehnte zuvor eine schwerwiegende, von außen nicht nachvollziehbare Entscheidung getroffen hat.
Das Ergebnis Tyrones Rückschau ist ein ergreifendes Buch, das mich mehr als einmal atemlos zurückgelassen hat, wenn ich eine Lesepause einlegen musste. Einfach erzählt, ohne viel Aktion und/oder detaillierter Beschreibungen von Kampfhandlungen, auf das wesentliche reduziert, ist „Rückkehr nach Killybegs“ ein Roman, der die Gefühle der Iren in Nordirland zwischen den 1930ern und den 1980er Jahren sehr gut transportiert: Frust, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Gottvertrauen, Hass und Nationalstolz, alles gepaart mit einem unbedingten Überlebenswillen.
Mein Fazit: Wer sich für den irischen Bürgerkrieg, die „Troubles“, interessiert, sollte dieses Buch lesen. Es ist gut recherchiert, bringt die wichtigsten Ereignisse zur Sprache, ohne sie unnötig lang auszuführen, und vermittelt, wie ich finde, ein emotional sehr tiefes Bild der damaligen Zeit ohne pathetisch oder grausam zu sein. Von mir eine klare Leseempfehlung.
Informationen zum Buch: erschienen am 24.05.2022 Verlag Mira Taschenbuch 412 Seiten ISBN 978-3-7457-0289-7 übersetzt von Ulrike Laszlo und Sabine Schilasky
Klappentext / Zusammenfassung: Erst wenn du dich von deiner Vergangenheit befreist, kann die wahre Liebe sich erfüllen. Emery liebt ihre Buchhandlung und hat in dem Küstenort Hartwell eine Ersatzfamilie gefunden. Allerdings hat sie ein Geheimnis, von dem selbst ihre besten Freundinnen nichts wissen: Sie hat sich in Jack Devlin verliebt, der den Ruf eines Bad Boys genießt. Weil Emery zu schüchtern ist, wagt sie es nicht, ihm ihre Gefühle zu gestehen. Jeden Tag, wenn sie mit ansehen muss, wie Jack andere Frauen verführt, bricht ihr Herz ein Stück mehr. Doch dann liegt Emery in Jacks Armen, sie spürt seine sinnlichen Lippen auf ihren und eine ungeahnte Leidenschaft. Bis er sie von sich stößt. Tief verletzt will Emery ihn und alles, was sie je für ihn empfunden hat, vergessen. Aber plötzlich sucht Jack wieder ihre Nähe und setzt alles daran, dass sei ihm vergibt …
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
Jack und Emery brauchen 9 Jahre, um endlich zueinander zu finden. In diesem Buch kommt alles zusammen, was zu einem Liebesroman gehört: Eine wunderschöne, schlanke, wohlproportionierte junge Frau mit reichlich Vermögen im Hintergrund kommt in eine Kleinstadt und eröffnet trotz ihrer Schüchternheit einen Buchladen mit Kaffeetheke. Der stadtbekannte Don Juan ist ebenso perfekt gebaut (schlank, muskulös, braungebrannt, charmant …). Die beiden verlieben sich auf den ersten Blick, doch es gibt unheimlich viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen, bis sie sich endlich ihre Liebe gestehen können. Um nur ein paar Hindernisse zu nennen: ein reicher Vater mit einem Geschäftsgebaren wie Al Capone, diverse Frauen diversen Alters mit diversen Traumata (u.a. Emery, die unter der mangelnden Liebe ihrer Eltern und ihrer Großmutter leidet), zerbrochene Freundschaften, Eifersucht, Mißverständnisse, ungewollte Schwangerschaft, Beinahe-Fehlgeburt usw. usf.
Mein Fazit: Ich bin zu alt für dieses Buch. Wäre ich noch Anfang oder Mitte Zwanzig, wäre ich wohl begeistert und würde von dem Buch schwärmen. Jetzt, mit Ende 40, empfinde ich die Story als unrealistisch und an den Haaren herbei gezogen. Und wieder einmal stört es mich, dass alle Protagonisten perfekt und wunderschön sind. Keine Falten, keine Pickel, keine Speckröllchen … Nein, nicht mein Buch und vermutlich nicht mein Genre.
Informationen zum Buch: 2021 erschienen Verlag C. H. Beck oHG, München 253 Seiten ISBN 978 3 406 74985 8
Klappentext / Zusammenfassung: Die letzte Woche des Dritten Reiches hat begonnen. Hitler ist tot, aber der Krieg noch nicht zu Ende. Alles scheint zum Stillstand zu kommen, und doch ist alles in atemloser Bewegung. Volker Ullrich schildert Tag für Tag diese „zeitlose Zeit“ und entführt den Leser in eine zusammenbrechende Welt voller Dramatik und Gewalt, Hoffnung und Angst. Sein Buch ist eine unvergessliche Zeitreise in den Untergang.
„“Acht Tage im Mai“ ist ein faktenreiches, akribisch recherchiertes und zugleich faszinierendes Buch. Jeder Tag fesselt und wühlt den Leser auf. Es liefert fabelhaften Geschichtsunterricht in Corona-Zeiten.“ Tagesspiegel, Christina Brinck
„Ein spannendes, fast schon atemloses Buch, das einen förmlich zum Weiterlesen zwingt. Selten war Geschichte so packend.“ Stuttgarter Zeitung, Simon Rilling
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
ich interessiere mich sehr für das Thema „2. Weltkrieg“ und die Zeit drumherum, weil ich verstehen möchte, was damals geschah – auch wenn es eigentlich völlig unverständlich ist. Mir ist es wichtig, viel darüber zu wissen, auch um junge Menschen (insbesondere meine Söhne) dahingehend zu sensibilisieren, dass sich grade dieser Part der Geschichte um Himmelswillen nicht wiederholen darf.
Bislang habe ich schon so einiges gelesen: Romane, die in den 1940er Jahren spielten, Erinnerungen, Augenzeugenberichte, GEO epoche … alles gut recherchiert und sehr informativ und interessant. Doch diese acht Tage Anfang Mai 1945, davon habe ich bislang kaum etwas mitbekommen. Okay, Hitler hat sich durch Selbstmord aus der Verantwortung gestohlen, das ist bekannt. Familie Goebbels folgte ihm, auch das ist bekannt. Dass die Leichen verbrannt wurden, wußte ich auch. Dass die verkohlten Reste von Hitler und Eva Braun bis in die 1970er Jahre auf einem Militärstützpunkt verscharrt und erst dann restlos verbrannt und die Asche verstreut worden war, wußte ich beispielsweise nicht.
In der Schule lernten wir: „Hitler hat sich am 30. April umgebracht. Die Wehrmacht kapitulierte am 8. Mai. Damit war der Krieg zu Ende.“ Jo. Irgendwo schnappte ich dann mal Namen wie „Dönitz“ auf und auch von der „Cap Arcona“ hörte ich mal am Rande, aber näheres war mir leider nicht bekannt.
Und dann wurde ich auf dieses Buch aufmerksam – und neugierig. Meine Neugierde wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil: Es ist vollgepackt mit Informationen und einer wahren Flut von Namen, was es mir zeitweise schwer machte, die Personen auseinander zu halten. Die besagten acht Tage werden akribisch beschrieben: was passierte wann und wo und wer machte was. Es wird aber auch beschrieben, welche Auswirkungen die einzelnen Handlungen hatten und wie alles zusammenhing. Ja, es ist ein Sachbuch, doch es ist dröge, sondern lässt sich gut lesen. Es ist gut recherchiert, verständlich und hat, trotz des sehr ernsten Themas, auch ein wenig Spaß gemacht. Trotzdem konnte ich es aufgrund der Flut an Informationen nur häppchenweise lesen.
Mein Fazit: Wer sich für Geschichte und insbesondere die Rolle der Deutschen im 2. Weltkrieg interessiert, für den ist dieses Buch Pflichtlektüre. Mein Exemplar wird erstmal zu meiner Mutter wandern, dann aber einen festen Platz in meinem Bücherregal finden. Ich schätze, ich habe es nicht zum letzten Mal gelesen.
Informationen zum Buch: 2020 erschienen Gmeiner-Verlag GmbH 280 Seiten ISBN 978-3-8392-2703-9
Klappentext / Zusammenfassung: Grusel und Schauer in Hamburg Zwölf gruselige Geschichten von zwölf Autoren über zwölf reale Orte in Hamburg, angelehnt an Legenden und Ereignisse vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart: Wie die Wikinger die Hmmaburg überfielen und brandschatzten. Warum der Teufel sich an der Teufelsbrück kein Schnippchen schlagen lässt und wie Störtebeker seinen Tod sühnte. Welche finsteren Geheimnisse der Klosterstern in Harvestehude birgt und welchen Gefahren in den Atombunkern am Hauptbahnhof lauern.
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
„gruselige Orte“ sind etwas anderes, finde ich. Zumindest würde ich weder den alten Elbtunnel noch die Schilleroper oder den Bunker beim Hauptbahnhof als „gruselig“ bezeichnen. Die Geschichten sind allerdings größtenteils schon schaurig, wenn auch nicht so richtig gruselig. Zumindest mich hat es nie gegruselt. Für waren es eher Krimis, Anekdoten und/oder historische Begebenheiten. Aber gruselig? Oder schaurig? Nö.
Viel mehr kann ich zu dem Buch auch nicht sagen, wenn ich ehrlich sein soll. Nur noch soviel: Der Titel des Buches geht komplett am Inhalt vorbei. Hamburg ist eine Stadt, die reich an Geschichten und Geschichtenerzählern ist. Da hätte man mehr draus machen können, mehr, was dem Buchtitel entspricht.
Ich hake das Buch als „Erfahrung“ ab. Weiterempfehlen würde ich es nicht.
Informationen zum Buch: erschienen im August 2021 Goldmann Verlag 428 Seiten ISBN 978-3-422-20628-5 übersetzt von Stefanie Retterbush
Klappentext / Zusammenfassung: In Monicas Café werden sechs Fremde zu einer liebevollen Gemeinschaft. Julian ist es leid, seine Einsamkeit und Verletzlichkeit vor anderen zu verstecken. Der alte Herr schreibt sich seine wahren Gefühle von der Seele und lässt das Notizheft in einem kleinen Café liegen. Dort findet es Monica, die Besitzerin. Gerührt von Julians Geschichte, beschließt sie, ihn aufzuspüren, um ihm zu helfen. Und sie hält ihre eigenen Sorgen und Wünsche in dem Büchlein fest, ohne zu ahnen, welch heilende Kraft in diesen kleinen Geständnissen liegt: Als das Notizbuch weiterwandert, wird aus den sechs Findern ein Kreis von Freunden, die einander helfen und beistehen. Monicas Café wird dabei ihr zweites Zuhause, und auf Monica selbst wartet dort das ganz große Glück …
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Buch war ein Wunschbuch meinerseits und der Wunsch wurde mir erfüllt – von meiner Schwägerin Monika. Von wem auch sonst, bei dem Titel 😉
In Monicas Café trifft sich Gott und die Welt – nur leider nicht genug Leute, damit das Café eine Überlebenschance hat. Doch dann lässt ein alter Herr sein Notizheft in dem Café liegen. Monica liest seine „Wahrheit“ und will helfen. Dann schreibst sie ihren sehnlichsten Wunsch in das Heftchen und läßt es an einem anderen Ort liegen. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf und das Heft wird von sechs Menschen gefunden, die unterschiedlicher nicht sein können: der alte Mann und die Cafébesitzerin Monica mit Kinderwunsch, ein ehemaliger Junkie, ein Weltenbummler, eine überforderte Mutter, eine chronisch neugierige Kindergärtnerin und eine alte Frau – und sie alle treffen sich früher oder später regelmäßig in Monicas Café und werden zu Freunden.
„Montags bei Monica“ ist ein Wohlfühlbuch. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Dabei habe ich oft geschmunzelt, ab und zu den Kopf geschüttelt und ein- oder zweimal fühlte mich etwas traurig – doch alles in allem ist ein gutes Buch für entspannte Lesestunden aufm Sofa oder der Terrasse oder am Strand oder oder oder.
Informationen zum Buch: erschienen im November 2021 Ullstein Verlag 484 Seiten ISBN 978-3-548-06421-5
Klappentext / Zusammenfassung: Drei schillernde Frauen und ihr Griff nach den Sternen Berlin in den goldenen 20ern: Auf einem Bankett lernt die glamouröse Rosalie Gräfenberg den Generaldirektor des Ullsteinverlags Franz Ullstein kennen. Die junge Frau ist geschieden, erfolgreiche Journalistin und die beste Freundin von Verlagsredakteurin und Autorin Vicki Baum. Um Franz Ullstein ist es sofort geschehen. Er verliebt sich in Rosalie und macht ihr kurz drauf einen Antrag. Doch seinen vier Brüdern ist sie ein Dorn im Auge, zu unangepasst ist ihnen die junge Frau. Durch eine Intrige versuchen sie, Rosalie von Franz zu trennen. Aber Vicki Baum und ihr aufgewecktes Tippfräulein Lilli lassen nicht zu, dass nur die Männer die Regeln diktieren und Rosalies Ruf ruinieren. Ab jetzt entscheiden die Frauen selbst, was Erfolg ist und wie jede von ihnen ihr Glück finden wird.
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
das Leben in den 1920er Jahren war alles andere als einfach. Dies galt sowohl für die Arbeiterschicht, aber auch für die Unternehmer. Und doch waren die Unterschiede in den Lebensstilen (auch vorm „Schwarzen Freitag“ 1929) drastisch.
Die 1920 waren eine Zeit des Umbruchs: Der erste Weltkrieg war vorbei, die Wirtschaft erholte sich langsam wieder. Die Emanzipation der Frauen nahm an Fahrt auf. Und die Protagonistinnen dieses Buches zeigen all das wunderbar auf: Vicki Baum, die mit ihrem Mann eine eher offene Ehe führt und unheimlich selbstständig und selbstbewußt ist. Rosalie Gräfenberg, freischaffende Jounalistin und geschieden, ebenso selbstbewußt wie ihre Freundin Vicki. Und Lilli, das Tippfräulein und große Bewunderin von Vicki, die aus einfachen Verhältnissen kommt und sich dank der Unterstützung ihrer Familie, ihres Verlobten und natürlich Vicki Baum und Rosalie Gräfenberg einen Traum erfüllt.
Im Zentrum der Geschichte steht Rosalie: Sie kommt nach mehreren Jahren in Paris wieder nach Berlin zurück. Beruflich hatte sie schon länger mit dem Ullstein-Haus Kontakt, allerdings „nur“ mit der Zeitungsredaktion. Durch ihren Liebhaber lernt sie den Generaldirektor des Verlages, Franz Ullstein, kennen und lieben und sie heiraten. Es kommt, wie es kommen muss: Seine Brüder, die ebenfalls im Aufsichtsrat des Ullstein-Verlags sitzen, machen ihnen das Leben schwer und bezichtigen Rosalie, Franz nur des Geldes wegen geheiratet zu haben. Rosalie kämpft, unterstützt von ihrer Freundin Vicki Baum, dem Tippfräulein Lilli und deren Verlobten Paul, gegen die Intrigen an und gemeinsam mischen die vier unbeabsichtigt den ganzen Verlag auf.
Das Buch ist frisch geschrieben und leicht zu lesen. Es hat Spaß gemacht, die Frauen zu begleiten und ein wenig in Rosalies Gedankenwelt einzutauchen. Besondere Würze bekommt die Geschichte meiner Meinung nach, weil alle Charaktere (außer Lilli und ihrem Umfeld) tatsächlich lebten und miteinander agierten: Franz Ullstein und seine Brüder leiteten den Verlag, Rosalie und Franz waren miteinander verheiratet und Vicki Baum hat lange für den Verlag gearbeitet. Auch die Intrigen gab es. All diese Fakten werden auf interessante, fesselnde Weise erzählt. Es macht einfach Spaß.
Meine Empfehlung: Nimm Dir einen Tag frei, stelle Getränke und Knabberkram in Griffweite und tauche ab in die Roaring Twenties in Berlin.
Informationen zum Buch: erschienen im April 2021 Ullstein Verlag 506 Seiten ISBN 978-3-548-06454-3
Klappentext / Zusammenfassung: Ohne Witz: Sträter kann auch Horror. Zum Gruseln!
Jahre bevor er Deutschlands Bühnen mit seinem launigen Humor beschallte, übte sich Torsten Sträter in der ersten seiner Königsdisziplinen: Gruselgeschichten. Und alle waren begeistert. In diesem Buch mit Horror-Storys, die in der Zeit zwischen 2003 und 2006 entstanden, zeigt der Meister des abseitigen Humors eindrucksvoll, dass das Grauen nicht nur auf verfallenen Friedhöfen oder fernen schottischen Schlössern wütet. Es kann uns ebenso ereilen in Altenheimen, auf Autobahnen oder gar im heimischen Wohnzimmer. Gruselig, schräg und schon mit dem ganz speziellen Sträter-Humor versehen, lassen diese Geschichten schmunzeln, erschauern und machen vor allem eins: Spaß.
Meine Meinung: Liebe Leserin, lieber Leser,
Als ich dieses Buch in der Buchhandlung sah, musste ich es einfach mitnehmen. Hey, Sträter! Das klingt gut! Ich mag ihn und seinen Humor. Egal, ob bei „nuhr im Ersten“, „Sträter“, „Gipfeltreffen“ und wo auch immer er sonst noch so auftritt, er bringt mich immer zu Lachen. Und das tut in diesen Zeiten sowas von gut! Was mir so besonders gefällt: Sein Humor ist nicht so platt und prollig wie beispielsweise Mario Barth (dem ich absolut nicht aufs Fell gucken kann!), sondern überlegt, manchmal tiefgründig, aber immer mit Fundament. Und er nennt die Dinge beim Namen, beispielsweise seine Depression: Depressiv zu sein ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit, und für Krankheiten muss man sich nicht schämen. Für Schwäche übrigens auch nicht, nur mal so am Rande.
Zum Buch: Was sind eigentlich „Horrorgeschichten“? Wikipedia kommt mit einer ausführlichen Erklärung rüber, wonach „die Horrorgeschichte eine Geschichte ist, die den Leser schockt oder ängstigt und eventuell sogar Gefühle der Abscheu oder des Hasses bei ihm auslöst. Hauptthemen der Horrorliteratur sind laut dem Dictionary Mord, Selbstmord, Folter, Angst, Verrücktheit, Gespenster, Vampire, Doppelgänger, Succubi, Incubi, Poltergeister, dämonische Pakte, teuflische Besessenheit, Exorzismus, Hexerei, Voodoo, Lykanthropie und das Makabere.“ Nach dieser Definition hat Sträter tatsächlich Horrorgeschichten geschrieben, doch die genannten Gefühle haben die wenigsten der Geschichten in dem Buch bei mir ausgelöst. Ja, es sind viele gute Plot-Ideen darin, und doch …
Ich weiß nicht, ob ich wirklich eine Leseempfehlung aussprechen möchte. Sagen wir es mal so: Als Einsteigerbuch in das Genre ist es geeignet. Für eingefleischte Sträter-Fans auch. Für eingefleischte Horror-Fans eher weniger.
Mein Fazit: Lieber Torsten Sträter, bitte bleibe bei dem, was Du echt gut kannst und das sind Deine Bühnenshows und Dein Humor. Horror ist nicht so Deine Königsdisziplin.